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Umgang mit der Corona-Krise (Teil 1)

Es wird unendlich viel geschrieben und gepostet. Zu den medizinischen Fakten, zu den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen sowie zum Umgang mit den Ausgangsbeschränkungen. Ich möchte mich auf das Persönliche, das eigene Verhalten und die Kommunikation miteinander konzentrieren.

Die Situation ist einfach nur surreal. Dass sich das Leben in den Städten so ausbremsen lässt, hätten wir uns alle nicht vorstellen können. Wie wohltuend sind die Ruhe und die gute Luft. Selbst der nächtliche Himmel über der Stadt zeigt sich anders. Plötzlich sind viel mehr Sterne zu sehen.

Wir sind viel mehr zuhause. Ungewöhnlich viel Nähe. Aushalten der anderen von früh bis spät. Keine Routinen mehr. Viele erleben das erste Mal in ihrem Leben, wie es ist, von zuhause zu arbeiten. Wie schwer es fällt, sich selbst zu motivieren und diszipliniert zu arbeiten. Wie leicht man sich ablenken lässt – von den Kindern, dem Partner oder auch einfach nur vom neuesten Post in den sozialen Medien…

Faszinierend finde ich es, wie viele Hilfs-Initiativen es gibt. Einerseits kapseln wir uns gezwungenermaßen mehr ab, andererseits öffnen wir uns mehr für andere. Vor allem in den sozialen Medien. Ganz normal, dass man mit wildfremden Menschen im Chat spricht, weil man am gleichen Thema interessiert ist. Telefonieren bekommt wieder eine ganz andere Bedeutung. Insbesondere mit den Eltern und Verwandten, die nicht in der Nähe sind. Herausfordernd, der älteren Generation beim Nutzen der neuen Medien unter die Arme zu greifen, wenn sie nicht persönlich besucht werden können. Auch ich habe vor kurzem noch Videokonferenzen & Co. gehasst, weil ich das persönliche Gespräch immer vorziehe. Ich werde mich wohl erstmal dran gewöhnen müssen.

Bei mir sind die normalen Beratungsaufträge aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation der meisten Kunden weitgehend eingebrochen. Natürlich hat das gravierende finanzielle Auswirkungen. Aber es gibt auch eine Menge positiver Auswirkungen. So tut es sehr gut, wenn ich Unternehmen mit meinen Fähigkeiten helfen kann, die Krise zu überstehen. Und stelle mit Begeisterung fest, dass es viele Mitstreiter gibt, die ihre frei gewordene Zeit nutzen, um Pro Bono zu helfen. So haben wir gerade mit vereinten Kompetenzen eine tolle Solidaritätsaktion auf die Beine gestellt www.vini-diretti.de/retter (Großes Dank an Petra Pölking, Simon Kern und meinen Mann Jörg Taubitz!). Die Resonanz der Menschen ist überwältigend.

Als Nebeneffekt wage ich mich an neue Themen und probiere Dinge aus, zu denen ich sonst keine Zeit hätte. Meine Kreativität nimmt zu. Wenn es z.B. darum geht, neue Vertriebswege oder Produktideen für Kunden zu entwickeln, denen die aktuelle Geschäftsgrundlage wegfällt.

Wieso gerate ich eigentlich nicht in Panik? Ich ertappe mich sogar dabei, dass ich gespannt bin, wie es nach Corona sein wird. Was sich im Miteinander in der Gesellschaft und im Geschäftsleben nachhaltig ändert. Ich beginne, mein eigenes Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Jetzt, da ich nicht mehr im Tagesgeschäft untergehe, sondern in mich reinhören kann. Was ist gut, was möchte ich verändern und was möchte ich vielleicht zukünftig gar nicht mehr tun?

Mein Grundanliegen wird sich nicht ändern. Es geht mir um ein gutes Miteinander. Im Geschäftlichen wie im Privaten. Das merken wir in solch schwierigen Zeiten besonders – wer ist Geschäftspartner und wer macht nur Geschäfte mit uns. Dabei bin ich überzeugt – Ehrlichkeit, Offenheit und proaktives Mitnehmen des anderen zahlt sich auf Dauer aus. Wenn ich den anderen vertraue, und bereit bin, Zugeständnisse zu machen, werde ich es in anderen Zeiten zurückbekommen.